Alexa

Poesie 2

Nur im Gleichgewicht

Wenn du dich verliebst,
erwarte vom anderen nicht mehr
als du selbst geben kannst.

Liebe steigt nur im
Gleichgewicht
zwischen Geben und
Empfangen.

Wer mehr nimmt
als er gibt,
zerstört die Balance
und läßt die Liebe
abstürzen.

---

Eine Frage der Reihenfolge

Ich glaube,
du möchtest mich ändern.
Aber wie willst du mich ändern,
wenn du mich kaum kennst?

Es ist eine Frage der Reihenfolge.
Bevor man einen Menschen
verändert,
sollte man ihn verstanden haben.

Hat man ihn verstanden,
will man ihn vielleicht nicht mehr verändern.

---

Mit gemischten Gefühlen

Dir macht es nichts aus,
deinen Stolz zu vergessen,
wenn du liebst.
Wie oft hast du schon
dein Gesicht verloren
und dir ein neues geschnitten
aus dem Stoff deiner Hoffnung.

Ich erlebe dich
mit gemischten Gefühlen,
doch in deiner Schwäche
liegt eine Stärke,
die ich bewundere.

---

Ich brauche dich nicht

Ich brauche dich nicht,
Du fehlst mir,
aber ich kann ohne dich leben.
Manchmal werde ich
mit einem traurigen Gefühl
an dich denken.
Was dir auch
immer wehgetan hat:
Ich tat es nicht
um dich zu verletzen,
sondern um Träume zu retten,
die Nahrung brauchten.
Ich brauche dich nicht!
Ich muss es mir
nur oft genug sagen.
Vielleicht glaube ich
es dann irgendwann.

---

Erinnerungen

Was du erlebt hast,
kann dir
niemand mehr nehmen -
das sagt man.

Aber niemand
kann es dir
wiedergeben, wiederbeleben -
das unterschlägt man.

Erinnerungen
sind tote Erlebnisse,
die nur durch die Kraft
unserer Sehnsucht nach ihnen
zeitweilig ein Scheinleben
bekommen -
selbstgemachte emotionale
Gespenster,
die sich in Luft auflösen,
wenn wir Leben
von ihnen verlangen.

---

Loslösung

Weil du mich zu sehr
nach unten ziehst,
löse ich dich
von meinem Herzen.
Schwerkräfte finde ich
an jeder Straßenecke.
Meine Liebe braucht
keine Gewichte und Lasten,
sie kann gar nicht
hoch genug fliegen.

---

Zustände

Wir verwehren uns
den Zugang zueinander,
weil wir uns
besser helfen könnten,
als unseren ängsten
lieb ist.

Wir nennen
unser Mißtrauen "gesund",
obwohl wir längst an seinem
Gift
erkrankt sind.

Gebrannte Kinder,
scheuen wir das Feuer
schon von weitem -
auch wenn sich Frost
aus unseren Seelen bildet.

Eismenschen -
stumm stehen wir
auf der Winterseite des Lebens
und hoffen auf die Wärme,
um die wir uns betrogen
haben.

---

Plötzlich keine Angst mehr

Als die Realität
meine Träume
an die Wand stellte
und Schießbefehl gab,
weil sie
es gewagt hatten,
wirklich zu werden,
hatten sie plötzlich
überhaupt keine Angst mehr,
denn sie erkannten,
daß Gewalt
sie nicht töten konnte.

---

Zerbrechliches

Man sollte
Zerbrechliches
erst dann zeigen,
wenn man
auch fähig ist,
es zu schützen.

Denn es provoziert
die Lust
am Zerstören.

---

Recht auf Freiheit

In unseren
Träumen und Wünschen
teilen wir anderen Menschen
gern eine bestimmte Rolle zu.
Wenn sie sich weigern,
diese Rollen zu spielen,
sagen wir oft enttäuscht,
sie hätten unsere Gefühle
verletzt.

Dabei haben sie nur
von ihrem recht auf Freiheit
Gebrauch gemacht.

---

Keine Magie ist tiefer

Ich könnte stundenlang
in deine Augen sehen,
nach Liebesschätzen tauchen
und meinen Atem vergessen.

Keine Magie ist tiefer
als die Kraft,
die wir Liebe nennen.

Ich möchte noch wehrloser,
noch schwereloser werden -
wie eine kleine weiße Feder
in der offenen Hand des Zaubers.

---

Verantwortungsgefühl

Ich bin gläubig,
aber konfessionslos und
unbekehrbar.
Meine Kirche ist die Schönheit,
meine Dreifaltigkeit
die Liebe, das Leben und die Kunst.

Ich bin ein Pilger
auf dem Weg
in die höchste Liebe,
ins intensive Leben,
in die größte Kunst.
Dieser dreifache Weg
ist mein Schicksal,

mein Schicksal ist
das Ergebnis meiner Wahl,
ich treffe sie täglich,
stündlich, augenblicklich -
immer aufs neue.
Ich höre nicht auf,
mich zu befragen.
Nur so kann ich
mein Leben verantworten.

---

Zu schwer

Bleib bei mir als wärst du
lang für mich da
laß wachsen dein weißes
in meinem Haar
Lieb mich als ob
das gut für dich wäre
als gäben wir Leben um Leben her.

Ertrag mich als trügest
du nicht schwer
behüt mich als ob
ich verloren wäre.

---

Vorgeschrieben

Diese Sehnsucht
dich beim Name zu nennen
Diese Angst
dich beim Namen zu nennen
Diese Sehnsucht
Wort zu halten
Diese Angst
nur Wort zu halten
Diese Sehnsucht nach einem Leben,
das kein Gedicht wird.
Diese Angst vor einem Gedicht
das ein Leben vorwegnimmt.

---

Angst ist nicht schlimm

Das Herz lebt nicht
von der Vergangenheit,
Gewohnheit ist
keine Gemeinsamkeit,
Angst vor dem Alleinsein
ist nicht so schlimm
wie die Einsamkeit
zu zweit.

---

Tief unter der Haut

Jetzt, wo du schon seit einer Stunde weg bist,
spüre ich erst richtig,
was du mir alles
in den Körper gelegt hast
an Genuß und Glück.

Ich brauche nicht
an dich zu denken
wenn ich dich
so in mir fühle.

---

Hab nie Angst vor dem Ende

Hab nie Angst vor dem Ende,
wenn etwas schönes anfängt.

Kein Preis ist zu hoch
für erlebtes Glück,
keine Trauer zu tief,
keine Enttäuschung zu schwer.

Leben heißt bereit sein,
irgendwann zu sterben.
Lieben heißt bereit sein,
irgendwann Abschied zu nehmen.

---

Durch und Durch

Wenn Du plötzlich
auf offener Straße
laut auflachst
und die Passanten Dich
für verrückt halten -
dann weiß ich, Liebe
ist der Grund.

Wenn der Sommerwind Dir
exotische Träume ins Herz
und Du die Augen schließt,
weil Du so viel mehr siehst,
dann weiß ich, Liebe
ist der Grund.

Doch wenn wir uns
so in die Augen schauen,
daß es mir durch und durch,
daß die ganze Welt um uns
zu existieren aufhört,
dann weiß ich nicht,
warum ich wunschlos glücklich
und zugleich weinen könnte.

Vielleicht ist das
der Regenbogen des Gefühls.

---

Zuhause

Das Leben selbst
macht mich lächeln
mit seiner frohen Kraft,
und keine noch so kalte,
noch so falsche Wirklichkeit
kann mich daran hindern,
glücklich zu sein
und zu Hause in mir.

---

Herbstabend

Du ließt in einem Buch
Ich schaue dich an
und muß lächeln.
Herbstwind drückt gegen
die Fensterscheibe,
die Bäume verlieren
ihre letzten Blätter.
Das Buch unserer Liebe
von Tag zu Tag.

---

Sichtweise

Warum soll ich mir
dein Herz nicht
mit anderen teilen?

So weit, wie es ist,
dürfte es vielen
Platz bieten,
ohne daß einer
dem anderen
auf die Füße tritt.

---

Gibt es eine weibliche ästhetik

Ich sehe deine Augen
mit den hängenden
Lidern am Kinn
Fettfalten die Stirn
gefurcht deine
dünnen spitzen
Ohren überm fahlen
Haar die
kahle Stelle
am Hinterkopf.
Ich denke du bist
von allen Männern
der schönste.

---

Erst dann

An dich denken
hilft mir nicht,
wenn ich dich
nicht in mir fühle.

Mich auf dich freuen
ist ein schwacher Trost,
wenn wir uns zu lange
nicht gesehen haben.

Erst wenn du
wieder da bist,
wenn uns der Zauber
wieder trägt und mit
seinen Wundern erfüllt -
dann ist es mir,
als hätte er nie
nachgelassen.

---

So tief

So tief mußt du
dich fallen lassen und so
lange schrein
bist du den Schrei verstehst
dann erst
ist er
dein Schrei
wenn du das Spiel verstehst
dann erst
ist es
kein Spiel mehr.

---

Es ist aus

Es ist aus
und es wird
keinen neuen Anfang mehr
zwischen uns geben.
Der Hagel der Enttäuschung
hat alle Knospen zerstört,
die noch hätten blühen
und uns die Augen
öffnen können
für die Pracht,
die wir verloren haben.

Du hast mir
so viel gegeben
in der viel
zu kurzen Zeit
unserer Verzauberung.

---

Gleichgewicht

Um sie zu bewahren,
mußte ich meine Gefühle
vor dir verstecken,
tief unter meiner Haut.

Wenn Du sie finden willst,
mußt Du ganz aus dir heraus
in mich hineingehen.

Dann wird sich zeigen,
was dir wichtiger ist:
unser freier Himmel
oder dein Schneckenhaus.

---

Zwischen Ja und Nein

Zwischen Ja und Nein
stehst du zu mir.

Jain steht auf dem
Zettel an deiner Tür.

Ich glaube, ich klopfe
lieber nicht mehr an.

Du bist bestimmt vollauf
beschäftigt mit deinen Zweifeln.

---

Treue

Du hattest begonnen,
dich zu verraten
an diejenige,
die du sein wolltest.
Aus Hoffnung.

Nun
bist du dir
wieder treu.
Aber wem
bist du da treu,
und wen
hast du diesmal
verraten.

---

Liebelei

Sag nicht:
Ich liebe dich -
weil du mich willst.

Sag nicht:
Ich liebe dich-
weil du mich hast.

Sag erst:
Ich liebe dich -
wenn du mich kennst.

---

Abschiedsgeschenke

Mitten in unserem letzten Gespräch,
in dem ich dir sagen mußte,
warum unsere Gemeinsamkeiten
nun auch für mich zu Ende sind,
gab ich dir mein Abschiedsgeschenk.
Lange noch,
wenn es mir so scheinen
könnte,
als hätte ich
eine Liebe verloren,
werde ich mich
an das erfreute Glänzen
deiner Augen erinnern,
an dein Abschiedsgeschenk.

---

Auf diese Weise

So also meinst du,
mußt du mit mir umgehn,
damit du mich
in deinem Dasein duldest
als einen Irrtum,
den man froh verwindet.
So machst du mich
mit Eifer klein und schäbig,
bis du bald nicht mehr weißt,
wie es geschehen konnte,
daß du und ich
gern beieinander waren.
Weil du auch dich
auf diese Weise
klein machst.

---

Meine Hoffnung

In deinem Alter, Kind
hat jeder Mensch noch Gründe
anzunehmen,
er könnte
fliegen wie laufen
lernen.

Ich werde mich hüten,
dich aufzuklären.

Vielleicht
bin doch ich es
der sich irrt.

---

Schwierigkeiten der Macht

Der tiefste Haß
des herrschenden Mannes
gilt der Natur.

Daß er
aus der Frau
kommt.
Daß er in die Erde
zurück muß.
Daß er
Natur sein muß.

Dieses dumpfe
feuchte, warme
wuchernde
Ungehorsam In ihm.